Die #SIKO17

Am 27. November 2017 finden die zweiten Sicherheitsgespräche am Deutschen Eck in Koblenz statt.

In diesem Jahr soll eine Annäherung an ein wirklich schwieriges Themenfeld versucht werden. Die #SIKO17 wird von diesem Leitgedanken geprägt:

Bürgernähe und eine kooperative Sicherheitsarbeit als Seismograf für lokale Problemstellungen. Ein Gegenimpuls zu unreflektierter Aufrüstung und einem Verharren im Ausnahmezustand 

In der aktuellen Sicherheitsdebatte werden neben parteipolitischen und ideologischen Nebenschauplätzen auch gerade von Bundespolitikern die Schwachstellen unseres föderalen Systems herausgestellt. So reagiert Bundesinnenminister de Maizière, indem er für einen „starken Staat in schwierigen Zeiten“ plädiert. Damit einher geht die Forderung nach mehr Kompetenzen für den Bund.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung titelt Anfang des Jahres mehrdeutig „STAATER STARK“. Hierbei wird herausgestellt, dass in Deutschland 37 voneinander unabhängige Sicherheitsbehörden der Polizei, Nachrichtendienste und des Zolls arbeiten. Hinzu komme die Verteilung von sicherheitsrelevanten Kompetenzen auf die allgemeinen Ordnungsbehörden im Zuge der vertikalen Gewaltenteilung. Die kriminelle Karriere des Attentäters von Berlin lege exemplarisch die Defizite in der Zusammenarbeit offen. Dies ist auch der Grundtenor anderer Leitmedien, wie der Welt und der Zeit.

Doch ist eine Zentralisierung die Lösung? Bedarf es nicht vielmehr einer differenzierten Debatte, statt einer reflexartigen Infragestellung unserer bislang bewährten föderalen Sicherheitsarchitektur. Mit dem Ansatz einer auf Bürgernähe und Kooperation ausgerichteten Sicherheitsarbeit soll ein Gegenimpuls gesetzt werden. Eine reflexartige sowie einseitige Aufrüstung und Verschärfung der Sicherheitsgesetze führt zu einer Abschottung und im Ergebnis zur Entfremdung von Staat und Bürger. Wir laufen Gefahr unseren wichtigsten Partner, die Menschen in unserem Land, aus dem Blick zu verlieren. Gerade im Zusammenspiel unterschiedlicher kommunaler Verwaltungsbereiche und Zivilgesellschaft mit der Polizei kann ein wirksames Netzwerk lokaler und damit sozialraumorientierter Präventions- und Sicherheitsarbeit entstehen.

Hierdurch kann ein Seismograf für lokale Probleme entstehen, der frühzeitige Interventionsmöglichkeiten eröffnet. Dies ist auch für das Vertrauen in die staatliche Handlungsfähigkeit vor dem Hintergrund eines entgrenzten über Massenmedien allgegenwärtigen Terrorismus umso wichtiger.

Hier das Programm der #SIKO17 am 27.11.2017:

Ein Überblick über die einzelnen Fachforen:


Fachforum 1
Zusammen sind wir stark. Kooperatives Verwaltungshandeln
am Beispiel des Umgangs mit Problemhäusern

Ihr Referent:

Christian Kromberg
ist Geschäftsbereichsvorstand des Dezernats „Allgemeine Verwaltung, Recht, öffentliche Sicherheit und Ordnung“ der Stadtverwaltung Essen.
Nach seinem juristischen Assessorexamen nahm er verschiedene Funktionen in der Stadtverwaltung Essen wahr. Er war u.a. Büroleiter des Oberbürgermeisters sowie Fachbereichsleiter des Rechts- und Versicherungsamtes. Von 2012 bis 2017 studierte er Sicherheitsmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin und schloss das Studium mit einem Master of Arts ab.

Thematischer Impuls von Christian Kromberg

Überbelegte Wohnungen, Matratzenlager, katastrophale bauliche und hygienische Zustände, illegale Nutzungen. Viele Städte in NRW klagen über sogenannte „Schrottimmobilien“. Deren Eigentümer kümmern sich nicht um die Instandhaltung ihrer zunehmend verwahrlosenden Gebäude und vermieten sie trotz massiver Mängel zu oft überzogenen Preisen. Es drohen soziale Konflikte und städtebauliche Missstände und in der Folge erhebliche finanzielle Belastungen für die Kommunen. Der Vortrag beschreibt, mit welchen Instrumenten die Stadt Essen gegen Problemimmobilien ankämpft.

Ihr Moderator:

Polizeioberrat Markus Oppenhäuser (M.A.), ist seit 2011 im höheren Polizeidienst des Landes Rheinland-Pfalz tätig. Nach Verwendungen als Leiter der Stabsbereiche 1 (Einsatz) und 2 (Technik) im Polizeipräsidium Koblenz ist er aktuell als Dozent für Einsatzlehre an der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz tätig.


Fachforum 2
Ansätze zur Früherkennung von Attentätern
unter Einbindung einer wachsamen Gesellschaft

Ihre Referentin:

Jennifer Gleixner ist Polizeirätin und hat 2017 ihr Masterstudium an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Ihre Masterarbeit zum Thema „Sicherheit bei Großveranstaltungen im Kontext der aktuellen Gefahr terroristischer Bedrohungen und Anschläge im Lichte des Zuständigkeitskonglomerats einer vertikalen Gewaltenteilung. Möglichkeiten und Grenzen der Früherkennung von Attentätern.“ wurde für den Zukunftspreis Polizeiarbeit vorgeschlagen. Frau Gleixner ist aktuell im Ministerium des Innern und für Sport in Mainz eingesetzt.

Thematischer Impuls von Jennifer Gleixner:

Aktuelle empirische Erkenntnisse, Erfahrungen der Sicherheitsbehörden und Experteneinschätzungen zeigen, dass die Früherkennung von Attentätern im Bereich ihres Zielortes anhand beobachtbarer nonverbaler Verhaltensauffälligkeiten möglich ist. Somit kann die Etablierung einer strukturierten polizeilichen Verhaltenserkennung als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme das Entdeckungsrisiko potentieller Attentäter bereits vor der eigentlichen Tatausführung deutlich erhöhen und die Sicherheitsbehörden dazu befähigen ‚vor die Lage‘ zu kommen. Eine Unterstützung durch Videotechnik sowie die qualifizierte Einbindung weiterer Netzwerkpartner im Sinne der kooperativen Sicherheit ist anzustreben. Zur Effektivierung der Terrorismusbekämpfung wird es künftig darauf ankommen die Bevölkerung als neuen Kooperationspartner zu gewinnen und aktiv in die behördlichen Maßnahmen einzubinden. Erst das Verständnis einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung und Aufmerksamkeit eines jeden Bürgers kann letztlich dazu beitragen, alle vorhandenen Möglichkeiten zur Verbesserung der Wehrhaftigkeit unseres Rechtsstaates zu nutzen und erkannte Lücken zu schließen

Ihr Moderator:

Steffen Göbel, ist Polizeibeamter des Landes Rheinland-Pfalz und absolviert aktuell den Masterstudiengang an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Herr Göbel weist eine achtjährige Erfahrung im Spezialeinsatzkommando (SEK) auf und hat in der Auswahl- und Bewährungsverwendung zum Aufstieg in den höheren Polizeidienst die Leitung der Kriminalinspektion in Koblenz ausgeübt sowie im Ministerium des Innern und für Sport gearbeitet.


Fachforum 3
Urbane Sicherheit. Sicherheitsgewinn durch Kooperation bei der Stadtplanung

Ihr Referent

Detlev Schürmann (M.A.) ist Kriminologe und Polizeiwissenschaftler. Vom Innenministerium Nordrhein Westfalen ist er der Stiftung „Deutsches Forum für Kriminalprävention (DFK)“ im Geschäftsbereich „Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Integration“ des Bundesministeriums des Innern zugewiesen. Er verfügt über 40 Jahre Erfahrung im operativen und strategischen Polizeidienst und Sicherheitsmanagement. Als Experte für Kriminalprävention und Gutachter beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) berät er Institutionen des Bundes und der Länder sowie deren Sicherheitsbehörden und die private Sicherheitswirtschaft zum Thema Urbane Sicherheit.

Thematische Schwerpunkte von Detlev Schürmann:

Kommunale/Städtebauliche Kriminalprävention
Integrierte Schutzkonzepte für städtische (Verkehrs-) Infrastrukturen
Sicherheit im öffentlichen Raum und Absicherung fußläufiger Innenstadtbereiche vor kriminellen und terroristischen Aktivitäten einschließlich Amokszenarien
Qualifizierung und Kooperation privater Sicherheitswirtschaft
Entwicklung von Finanzanreizen zur Förderung der Kriminalprävention

Ihr Moderator:

Georgios Terizakis (M.A.) ist seit 2017 für die Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz tätig. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt. Er studierte Politikwissenschaft, Neuere Geschichte und Philosophie an der Technischen Universität Darmstadt, der Universität Frankfurt und der Panteion Universität Athen. Terizakis war Projektkoordinator bei der Landeshauptstadt Hannover und der Metropolregion Hannover, Braunschweig, Göttingen sowie Hochschul-Praxis-Koordinator im LOEWE-Forschungsschwerpunkt „Eigenlogik der Städte“ der Technischen Universität Darmstadt. Er ist Mitglied der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft.


Fachforum 4
Digital-Community-Policing. Die neuen Medien als Chance für eine unmittelbare Kommunikation zwischen Bürger und Staat

Ihr Referent:

Prof. Dr. Stefan Jarolimek ist seit 2015 Professor für Kommunikationswissenschaft und Leiter des gleichnamigen Fachgebiets an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Zuvor war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Vertreter von Hochschullehrerstellen an den Universitäten FU Berlin, Jena, Leipzig, Greifswald und Mainz tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte bilden die strategische Organisationskommunikation, interkulturelle Kommunikation und Social Media.

Thematischer Impuls von Prof. Dr. Stefan Jarolimek:

Social Media ist derzeit ein Topthema der Behördenkommunikation. Mit den zahlreichen Chancen sind auch einige Herausforderungen verbunden. Um Social Media-Kanäle effektiv für Organisationen nutzen zu können, müssen diese auch Veränderungen vornehmen. Dies betrifft die Themenbereiche professionelle Kommunikation, Organisationkultur sowie die Aus- und Fortbildung. Zudem ist Social Media nicht nur ein Thema der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Vielmehr betrifft es unterschiedliche Teile der modernen Organisation.

Ihr Moderator:

Polizeioberrat Heiko Arnd (M.A.) ist seit 2010 im höheren Polizeidienst. Er ist aktuell Leiter der Polizeiinspektion Mainz 1 (Altstadtrevier) und stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Mainz. Er war zuvor u.a. im Ministerium des Inneren und für Sport Rheinland-Pfalz im Referat des Inspekteurs der Polizei sowie als Leiter der Polizeiinspektion Frankenthal eingesetzt.


Gastgeber und Veranstalter der #SIKO17:

Prof. Dr. Kristian Bosselmann-Cyran ist Präsident der Hochschule Koblenz.

Bevor er im Herbst 2011 erstmalig das Amt des Präsidenten der Hochschule Koblenz übernahm, hatte er unter anderem sieben Jahre lang eine Professur für „German Studies“ an der Universität Al-Azhar in Kairo inne.

Zuletzt war er drei Jahre Dekan der Sprachenfakultät an der Deutsch-Jordanischen Hochschule in Amman, Jordanien.

Er brachte jedoch nicht nur reichlich Erfahrung in Forschung und Lehre mit an den Rhein: Vor seiner Arbeit an der Hochschule Koblenz war er bereits elf Jahre lang erfolgreich im Hochschulmanagement an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) tätig.

Friedel Durben ist Direktor der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz.

Er wurde 1981 im mittleren Dienst eingestellt. Neben einer Verwendung bei der Bereitschaftspolizei war er mehrere Jahre im Wechselschichtdienst tätig.

Nach Abschluss des Studiums für den gehobenen Polizeidienst war er zunächst Fachlehrer für „Strafrecht, Strafprozessrecht, Ordnungswidrigkeitenrecht“ und „Polizeirecht“. Daran schloss sich eine Verwendung als Zugführer bei der Bereitschaftspolizei und eine Verwendung im Bundesinnenministerium beim Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder an.

1995 wechselte Friedel Durben zum Polizeipräsidium Koblenz, war hier zunächst als Dienstgruppenleiter und anschließend im Führungsstab tätig.

Nach Abschluss des Studiums in Münster-Hiltrup im Jahre 2000 folgte eine Verwendung im Lagezentrum des Innenministeriums und als Dozent am Fachbereich Polizei der FHöV in den Studienfächern Einsatzlehre und Führungslehre. 2002 wechselte er als Leiter des Stabsbereiches 1 in den Führungsstab des Polizeipräsidiums Koblenz. Vor seinem Wechsel an die Spitze der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz im Oktober 2014 hat er fast 10 Jahre in der Polizeiabteilung des Innenministeriums als zuständiger Referent und stellv. Referatsleiter die strategische Weiterentwicklung der Aus- und Fortbildung sowie des Dienst- und Spitzensports entscheidend mitgestaltet.


Tagungsleitung der #SIKO17:

Prof. Dr. Stefan Sell ist Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz und Direktor des Instituts für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung. Er ist sowohl bundesweit als auch im europäischen Ausland ein anerkannter und gefragter Experte für Arbeitsmarktfragen sowie für Themen der sozialen Sicherheit. Für ihn sind Probleme der inneren und sozialen Sicherheit in vielerlei Hinsicht miteinander verbunden und müssen gemeinsam bearbeitet werden.

Antje Wels (M.Sc.) studierte Psychologie und ist seit 2009 Dozentin an der Hochschule der Polizei Rheinland- Pfalz. Ihre Expertise liegt vor allem im Bereich der Einsatzpsychologie sowie der polizeilichen Kommunikation mit den Schwerpunkten Einsatz- und Krisenkommunikation.
Ihre Expertise macht Sie zu einer gefragten Trainerin für die polizeiliche Praxis, auch über die europäischen Grenzen hinaus.

Christian Hamm (M.A.) ist seit 2014 im höheren Polizeidienst des Landes Rheinland-Pfalz und Leiter des Masterstudiengangs an der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz. Seine Masterarbeit „Bürgerbeteiligung und Polizei“ wurde auf dem Europäischen Polizeikongress mit dem Zukunftspreis Polizeiarbeit 2015 ausgezeichnet. Seine Expertise im Feld einer bürgernahen Polizeiarbeit ist bundesweit und im europäischen Ausland anerkannt und gefragt.


Und hier finden Sie die gesamte Dokumentation der 2. Sicherheitsgespräche am Deutschen Eck:

Tagungsdokumentation der #SIKO17