Mehr als beunruhigend: Rekord an verschwundenen Waffen

Wie viele Schusswaffen gibt es in Deutschland? Wem gehören diese? Wer darf überhaupt eine Waffe tragen? Diese und andere Fragen beantwortet das 2013 ins Leben gerufene Nationale Waffenregister. Das NWR ist ein föderales System, das von Bund und Ländern genutzt und gepflegt wird. Es wird durch das Bundesverwaltungsamt als zuständige Registerbehörde betrieben. Gespeichert sind beispielsweise Daten zu erlaubnispflichtigen Waffen in Deutschland. Deren Erwerb und Besitz bedarf einer Erlaubnis. Ebenso werden die Daten von Erwerbern, Besitzern und Überlassern dieser Waffen im NWR gespeichert. Dazu wurden die Informationen der bundesweit etwa 550 zuständigen örtlichen Waffenbehörden strukturiert aufbereitet und in das NWR überführt. Die Waffenbehörden kommunizieren standardisiert über sichere Verwaltungsnetzte synchron mit der Registerbehörde. Die Daten im NWR sind somit stets aktuell, so das Bundesinnenministerium.

Und nun werden wir mit solchen Meldungen konfrontiert: »Die Zahl verschwundener privater Schusswaffen in Deutschland hat einen neuen Rekord erreicht: Ende Januar 2019 waren laut Nationalem Waffenregister 28.901 Schusswaffen nicht mehr auffindbar. Damit stieg die Zahl der verschwundenen Waffen um knapp 18 Prozent innerhalb von zwölf Monaten. Drei Jahre zuvor waren sogar noch gut 11.000 weniger Waffen verschwunden gewesen.«, berichtet Fabian Löhe in seinem Artikel Rekord an verschwundenen Waffen.

Er bezieht sich dabei auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag. Demnach wurden die meisten der Waffen (22.978) als verloren gemeldet, etwa ein Viertel (5.923) als gestohlen. Wenn Schusswaffen einfach verschwinden, müssen bei der Bundesregierung alle Alarmglocken klingen: Es handelt sich um Gegenstände, die potenziell tödlich sind“, wird die Innenpolitische Sprecherin der Grünen, Irene Mihalic, zitiert.

Man muss das auch vor dem Hintergrund einer offensichtlich zunehmenden Aufrüstung im privaten Bereich sehen. Ein Beispiel von vielen, hier Sachsen: »Sportschützen und Jäger haben ihr Arsenal vergrößert. Doch die Mittelsachsen bewaffnen sich auch zunehmend privat«, so Franziska Peter unter der Überschrift Immer mehr Schusswaffen in Mittelsachsen im Umlauf. Sie bezieht sich auf eine Statistik des sächsischen Innenministeriums. Bezogen auf die beiden Jahren 2016 und 2017 wird berichtet: Sachsenweit stieg die Anzahl der registrierten Schusswaffen von 139.220 auf insgesamt 168.404 Stück. Vergleichbare Entwicklungen kann man sicher auch aus anderen Landesteilen berichten. Und wenn dann mal Kontrollen der legalen Schusswaffen-Besitzer durchgeführt werden, dann zeigen sich solche Befunde: Schusswaffen: Mängel bei jeder dritten Kontrolle entdeckt. Was auch auf Sicherheitslücken verweist, die dann zum „Verschwinden“ der Waffen beitragen können.

Der kleine Waffenschein wird bei den Deutschen immer beliebter. Auch die Zahlen von scharfen Waffen in privater Hand steigen – das wurde bereits im Januar 2019 berichtet, so in diesem Artikel: Immer mehr Deutsche bewaffnen sich. »Zum Stichtag 31. Dezember 2018 waren im Nationalen Waffenregister mehr als 610.000 Inhaber des sogenannten kleinen Waffenscheins gemeldet, wie das Bundesinnenministerium … mitteilte. Das waren fast zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht die Entwicklung mit Sorge.« Wer einen kleinen Waffenschein besitzt, darf Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen verdeckt führen, aber nur im Notfall damit schießen. Voraussetzung für die Erteilung ist, dass der Bewerber volljährig ist sowie persönlich geeignet und zuverlässig erscheint.

Aber auch die Zahl scharfer Schusswaffen in privater Hand ist im vergangenen Jahr gestiegen, und zwar um 27.000 auf knapp 5,4 Millionen Waffen und Waffenteile.