Wenn der öffentliche Raum zu einem Angstraum (gemacht) wird. Das Beispiel Ebertplatz in Köln

Das Thema Sicherheit und Unsicherheit im öffentlichen Raum ist auch eines, das auf der #SIKO17 angesprochen wird. Man sollte nicht unterschätzen, wie das, was und wie die Bürger beispielsweise öffentliche Plätze wahrnehmen, wirkt.

In den vergangenen Wochen gab es beispielsweise zahlreiche Berichte über Obdachlose, die in Berlin Grünanlagen für ihre Schlafstätten okkupiert hatten. Und über den Alexanderplatz in Berlin wurde hier ja schon berichtet – vgl. dazu den Beitrag Das eine tun und das andere nicht lassen. Polizei und Sozialarbeit am Beispiel des „gefährlichsten Ortes“ in Berlin vom 7. November 2017.

Und aus Köln wird seit längerem – zumeist sehr negativ – von den Entwicklungen auf und um den Ebertplatz in der Nähe des Hauptbahnhofs berichtet:
»Der Kölner Ebertplatz ist ein Treffpunkt von Dealern, Obdachlosen und Krawallmachern. Politiker wollen eine Mauer bauen, Künstler das Leben auf den Platz zurückholen«, so Christian Barth in seinem Artikel Ebertplatz in Köln: Gegen die Angst. Und die Beschreibung liest sich wie ein Polizeibericht.

»Der Ebertplatz ist derzeit das, was die Domplatte bis zur Silvesternacht vor zwei Jahren war: ein Treffpunkt von Dealern, Drogenabhängigen, Obdachlosen, Alkoholikern und Krawallmachern. Frauen berichten über Belästigungen. In den vergangenen Monaten hat sich die Lage zugespitzt. Nordafrikanische Kleindealer haben sich mit Konkurrenten aus Schwarzafrika angelegt, die seit 2015 hier ebenfalls nach Kundschaft suchen. Am 14. Oktober gipfelte der Revierkampf in einem tödlichen Streit. Ein 25-jähriger Marokkaner erstach einen 22 Jahre alten Flüchtling aus dem westafrikanischen Guinea. Nur eine Woche später gingen zwei Nordafrikaner mit abgeschlagenen Flaschen auf zwei Türken los und verletzten sie im Gesicht. Entsetzen und Empörung brachen sich Bahn.«

Aber der Beitrag von Christian Barth geht tiefer und bleibt nicht an der Oberfläche der Beschreibung von schlimmen Folgen einer Inbesitznahme des öffentlichen Raums durch bestimmte Personengruppen stehen.

Denn alles hat seine Geschichte, wie nicht selten im öffentlichen Raum werden wir vor das Ergebnis einer über viele Jahre ablaufenden Verwahrlosung des öffentlichen Raums gestellt. So war das auch beim Ebertplatz. Am Anfang stand eine sicher gut gemeinte Idee.

In der Mitte des Platzes befindet sich ein vom Künstler Wolfgang Göddertz geschaffener begehbarer Brunnen. »Viele Jahre war er im Sommer ein beliebter Platz zum Planschen. Doch dann versagte das Pumpensystem, nun steht er seit Jahren still. Mit dem Wasser verschwand allmählich auch das Leben. Die Grünpflege wurde eingestellt, die Einzelhändler zogen aus.«

Der Ebertplatz »besteht aus zwei Ebenen, der obere Teil ist offen, der untere von dicken grauen Säulen gehaltene Bereich wird von einer Straße gedeckelt. In der Nacht ist es hier düster, nur eine Notbeleuchtung verhindert die totale Finsternis. Die Rolltreppen, die vom tiefsten Punkt zurück zur Oberfläche führen, sind verklebt mit Dreck und Taubenkot und seit Jahren außer Betrieb. Trotzdem haben sich hier vier Kunsträume, zwei afrikanische Kneipen und ein Copyshop angesiedelt. Die letzte Bastion von Leben in einem zombieapokalyptischen Umfeld.«

Ein „Angstraum“ – so nennen Stadt und Polizei den Platz ganz offiziell. Als die Ereignisse in jüngster Zeit eskalierten, wurde gehandelt: Die Polizei erhöhte die Präsenz und verscheuchte die Dealer in andere Ecken der Stadt.

Dann aber die Stadt: Die Verwaltung »schickte den Künstlern die Kündigung und sprach davon, den Bereich so schnell wie möglich zuzumauern.«

Seitdem herrscht Aufruhr. „Ausdruck totaler Hilflosigkeit“, „Die Idee ist dumpf und blöde und eine Geringschätzung derjenigen, die hier sind“, „Kapitulation der Stadtverwaltung, die den Platz jahrzehntelang habe verrotten lassen“, um nur drei von vielen negativen Reaktionen zu nennen.

Die Kündigungen wurden in Abwesenheit von Oberbürgermeisterin Henriette Reker ausgesprochen, die sich zu dieser Zeit in Kölns Partnerstadt Kyoto aufhielt und die seit ihrer Rückkehr immer wieder beteuert, dass die folgenschwere Entscheidung ihrer eigenen Verwaltung nicht mit ihr abgesprochen gewesen sei.

Aber gibt es denn Alternativen? Dazu schreibt Christian Barth: »Architekturbüros überbieten sich mit Vorschlägen, aus dem Angstraum endlich einen Lebensraum zu machen. Allein die Stadt scheint handlungsunfähig.« Und er zitiert den preisgekrönten Architekten Peter Busmann: »Ein Hexenwerk sei das nicht … Auf die Schnelle vielleicht ein paar schwere Stühle wie in Paris, die dunklen Ecken knallhell machen. „Was der Platz als Erstes braucht, ist Licht, Licht, Licht und Leben.“«