Polizei im Umbruch – Herausforderungen und Zukunftsstrategien. Die Herbsttagung 2017 des BKA und der Bezug zur #SIKO17

Am 15. November 2017 fand die Herbsttagung 2017 des Bundeskriminalamtes (BKA) statt. Sie stand unter der Überschrift Polizei im Umbruch – Herausforderungen und Zukunftsstrategien. Bei dieser Tagung ging es darum, »bestehende wie auch künftige Herausforderungen in der Arbeit der Strafverfolgungsbehörden aufzuzeigen, vor denen sie angesichts der anhaltenden weltweiten Krisen und Konflikte, der anhaltenden Bedrohung durch den internationalen Terrorismus, transnational agierender Cyberkrimineller und weltweit agierender organisierter Tätergruppierungen stehen. Nationale wie internationale Perspektiven unter besonderer Berücksichtigung digitaler Entwicklungen zeichnen dabei die Konturen des Umbruchs, in dem sich die Polizeien derzeit befinden.« Die einzelnen Redebeiträge und Präsentationen kann man hier abrufen. In diesem Kontext sei auch auf einen Vortrag von Ralf Martin Meyer, dem Polizeipräsidenten der Stadt Hamburg, hingewiesen: Moderne Großstadtpolizei im Umbruch – Herausforderungen und Zukunftsstrategien, so der Titel seines Beitrags. Die von ihm aufgerufenen Themen – u.a. Sicherheitsgefühl und lokale Sicherheitsarbeit, Vernetzung und Frühwarnsystem und Gefährdungseinschätzung zwischen psychischer Labilität und terroristischer Radikalisierung – werden auch auf der #SIKO17 in Koblenz eine prominente Rolle spielen.

Meyer ruft in seinem Beitrag auch ein Thema auf, das am Beispiel der USA in dem Blog-Beitrag Die Kriminalität nimmt ab, die Ängste aber nicht. Zur Problematik einer sich verselbständigenden Kriminalitätswahrnehmung vom 16. November 2017 thematisiert wurde. Mit Blick auf Hamburg führt er aus:

»Aus der Forschung wissen wir, dass das sich sicher fühlen und die Frage der objektiven Lage auseinanderfallen können. Wenn wir uns derzeit die objektiven Zahlen anschauen, und da bietet uns die langfristige Betrachtung der PKS einen Anhalt, stellen wir fest, dass wir – objektiv betrachtet – die geringste Kriminalität in den vergangenen 20 Jahren haben. Die Zahlen sinken in vielen archaischen Deliktsbereichen. Und das – in Hamburg – vor dem Hintergrund einer stetig wachsenden Stadt, einer wachsenden Wohnbevölkerung, auch durch den Zuzug von Flüchtlingen aus der ganzen Welt, damit auch einer steigenden Zahl von Haushalten und einem deutlichen Anstieg von Touristen, Übernachtungen – insgesamt sind also mehr Menschen in der Stadt … Eine Ausnahme bildet aus hier bekannten Gründen der Taschendiebstahl: Migration bedingt durch Kriege aber auch soziale Disparitäten! Menschen aus Südosteuropa und Nordafrika suchen nach neuen Lebensbedingungen … Dennoch! Wenn ich auf Bürgerversammlungen darüber referiere, ernte ich nichts als ungläubige Blicke. Die Menschen, wenn man sie fragt, haben mehr Angst als noch vor 20 Jahren.«

Das mag man beklagen, aber es ist offensichtlich eine eigene Einflussgröße. Daraus folgt für Meyer: »Für die Akzeptanz einer Großstadtpolizei ist die subjektive Sicherheit offenkundig viel bedeutender als die objektive Sicherheitslage.«

Und mit Blick auf die Themen der #SIKO17 besonders relevant erscheint diese Schlussfolgerung des Hamburger Polizeipräsidenten:
„Chancen für positive Veränderungen der subjektiven Sicherheit ergeben sich vor allem auf dem Gebiet der lokalen lebensweltlichen Strukturen.“
Ich halte Maßnahmen auf diesem Handlungsfeld für dringend erforderlich. Ich plädiere dafür, sie (wieder) zu intensivieren. Insbesondere die Bildung von oder Beteiligung an Netzwerken ist für mich hier ein Nukleus.

Vielleicht müssen wir das nicht überall, weil das Niveau mancherorts stimmt, jedenfalls sollten wir unsere Aufmerksamkeit wieder stärker der Frage „was ist in unseren Stadtteilen los?“ widmen.

Auch darüber werden wir am 27.11.2017 in Koblenz sprechen und diskutieren.