Nicht selten, weil man ansonsten nur schwer über die Runden kommt: Nebentätigkeiten von Polizeibeamten am Beispiel von Berlin und Brandenburg

Polizeibeamter in Berlin, das bedeutet für viele in den unteren Diensträngen, dass sie finanziell nur knapp über die Runden kommen. Der Senat erklärte auf Anfrage eines Abgeordneten, dass über 1.200 der 16.400 Polizeibeamten Nebentätigkeiten nachgehen, kann man diesem Artikel entnehmen. Nun handelt es sich dabei oft um ganz unterschiedliche Nebentätigkeiten und Motive bei denen, die das machen. Ein Beispiel aus dem Artikel:

»Ein Polizeiobermeister, 40, seit 15 Jahren bei der Polizei, rechnet vor: „Ich habe mit allen Zulagen und Kindergeld etwa 2400 Euro netto.“ Davon gehen für die private Krankenversicherung, die er neben der den Beamten gewährten Beihilfe braucht, 240 Euro ab. 1200 Euro kostet die Miete für die 90 Quadratmeter große Wohnung im Umland, monatlich werden für den kleinen Sohn 300 Euro Kitagebühr fällig. Zwar verdient seine Ehefrau als Krankenschwester mit, deswegen landet die Familie am Monatsende nicht oft in den roten Zahlen. Aber „passieren darf nichts. Eine Autoreparatur oder große Urlaube sind nicht drin“, sagt der Polizist. Der Berliner arbeitet deshalb bis zu 24 Stunden im Monat als Fitnesstrainer, meist an Vormittagen vor Nachtdiensten. Er verdient so im Durchschnitt 300 Euro dazu, ist aber auch selten zu Hause.«

Nicht zu vergessen: Der Hauptberuf mit seinen Zwölf-Stunden-Schichten verlange ihm auch immer mehr ab. Zwischen fünf und 30 Überstunden macht er im Monat, das bringt zwar Geld – aber die Familie leidet. 

Zugleich wird man hier auch wieder mit der Tatsache konfrontiert, dass es sich bei der Polizei – wenn wir von der Bundespolizei absehen – um Länderzuständigkeiten handelt und die Regelungen von Bundesland zu Bundesland erheblich abweichen können.

So zeigt der Berliner Blick nach Brandenburg: »Ein Kollege der Brandenburger Polizei aus der gleichen Besoldungsstufe habe mehrere hundert Euro im Monat mehr auf dem Konto. Das Gehalt ist höher, und Brandenburg gewährt im Gegensatz zu Berlin „freie Heilfürsorge“. Die private Krankenversicherung muss der Brandenburger Kollege nicht zahlen.«

Apropos Brandenburg: Zur dortigen Situation hinsichtlich der Nebentätigkeiten findet man diesen Artikel: Polizisten in Brandenburg: Tagsüber Ordnungshüter, am Abend Handwerker. Zu den Zahlen in diesem Bundesland erfahren wir: »Für knapp 600 von derzeit rund 8000 Polizisten in Brandenburg beginnt nach Feierabend die zweite Schicht. Sie haben einen Nebenjob angenommen oder engagieren sich ehrenamtlich.«

„Bei vielen Beamten vor allem im mittleren und zum Teil auch im gehobenen Dienst ist es schlicht eine Frage des Geldes, einem Nebenjob nachgehen zu müssen“, wird Björn Lakenmacher, innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, zitiert. In manchen Fällen gehe es nicht allein um das Geld.

Und wenn die Berliner Unterschiede zu den Brandenburgern beklagen, tun die das auch: »Ein Polizeihauptmeister in Brandenburg erhalte mehrere hundert Euro weniger als sein Kollege bei der Bundespolizei.«

Aber das Spektrum der angezeigten Nebentätigkeiten ist sehr breit – und so wird es auch bei den Gründen dafür sein:

»Polizisten arbeiten in der „zweiten Schicht“ unter anderem als Dozenten, betätigen sich als Schriftsteller und Autor, als Gutachter oder erledigen Büroarbeiten. Andere engagieren sich sportlich, trainieren Sportler oder sind aktiv als Schiedsrichter bei Wettkämpfen. Gefragt sind die Kenntnisse von Polizisten auch als Berater oder als Helfer im Rettungsdienst.
Bei anderen werden die handwerklichen Fähigkeiten geschätzt, mit denen sie im Nebenjob Geld verdienen. Einige unterstützen nach Feierabend das Familienunternehmen oder schlüpfen in die Rolle als Discjockey und legen Platten auf.«